Zschopauer Jubiläen 2026 – Teil 2

Vor 125 Jahren – 1901

Am 03.10.1901 wird die Zschopaubrücke in Wilischthal dem Verkehr übergeben.

Die bisher vierklassige Übungsschule am Lehrerseminar wird fünfklassig..

Dr. Ing. Herbert Josef Venediger (1901 - 1988), von 1932 bis 1940 Leiter Versuch und Entwicklung bei der Auto Union AG, wird am 28.02.1901 in Nürnberg geboren.

Kurt Friedrich (1901 - 1995), von 1926 bis 1929 als DKW-Werksfahrer in den Klassen bis 175 und bis 250 ccm sehr erfolgreich, wird am 19.12.1901 in Chemnitz geboren.

Dr. Ludwig Heinrich Hensel, seit 1927 Prokurist und später DKW-Verkaufsleiter, von 1945 bis 1948 Vorstand der Auto Union AG, wird am 08.12.1901 in Düsseldorf geboren. Später ist er als Vorstand bei der in Ingolstadt neu gegründeten Auto Union GmbH für den Verkauf verantwortlich.

 

Karl Stegmann (1901 – 1930), von 1927 bis 1929 als DKW-Werksfahrer in der Klasse bis 500 ccm sehr erfolgreich, wird am 28.05.1901 in Oelsnitz/Erzgebirge geboren. Am 18.05.1930 verunglückt er beim traditionellen Bergrennen auf dem Jilowischt bei Prag tödlich.

 

Vor 100 Jahren – 1926

Richard Blau (1883 – 1944), technischer Direktor bei DKW, wird Alleininhaber der Metallindustrie Zschopau (Blau-Werke), siehe Stadtkurier August 2019.

Die 1.600 Beschäftigten der Zschopauer Motorenwerke erwirtschaften einen Umsatz von 13 Mio. RM. Insgesamt werden ca. 20.000 Motorräder hergestellt, wobei erstmals in Deutschland die Fließbandtechnologie bei der Motorradproduktion zum Einsatz kommt.

Im September 1926 findet auf Anregung von DKW-Verlaufsleiter Dr. Carl Hahn ein Händlerkongress im DKW-Werk statt.

DKW-Werksfahrer Arthur Müller (1904 – 1983) fährt in der Klasse bis 175 ccm auf der AVUS einen neuen Weltrekord über eine Stunde (106 km/h) sowie über zwei Stunden (98 km/h) und drei Stunden (96 km/h). Er siegt beim Eilenriede-Rennen in der Junior-Klasse bis 175 ccm und wird außerdem Deutscher Meister in dieser Klasse.

 

Kurt Friedrich (siehe oben) gewinnt am 29.08.1926 den „Großen Preis von Deutschland“ auf der AVUS in der Klasse bis 175 ccm, er siegt außerdem auf dem „Marienberger Dreieck“ und beim Kolberger Bäderrennen.

Beim Frühjahrsrennen auf der AVUS in Berlin am 13.06.1926 gibt es einen dreifachen Erfolg von DKW in der Klasse bis 175 ccm, Sieger wird Hans Sprung (1900 – 1982), Zweiter Kurt Friedrich, Dritter Arthur Müller.

 

J. S. Rasmussen unternimmt seine zweite USA-Reise und erwirbt den Maschinenpark der insolventen Rickenbacker-Werke in Detroit. Auf diesen Anlagen werden später im DKW-Werk Scharfenstein Motoren für die Audi-Modelle Typ T „Dresden“ (ab 1930, Sechszylinder, 3,8 l Hubraum, 75 PS) und Typ SS „Zwickau“ (ab 1929, Achtzylinder, 5,1 l Hubraum, 100 PS) hergestellt.

Die Omnibus-Linien nach Krumhermersdorf und Dittersdorf werden eingerichtet.

Das DKW-Werk wird an die Gasversorgung des örtlichen Gaswerks angeschlossen. Dazu wird in der Südstraße (heute Rasmussenstraße) eine separate Gasleitung verlegt. Bis 1929 steigt der jährliche Verbrauch des Werks auf 750.000 Kubikmeter.

Auf dem Zschopenberg wird das DKW-Ledigenwohnheim errichtet. Verwalter wird Karl Kaaden (1890 - 1979), Vater des späteren MZ-Rennsportchefs Walter Kaaden (1919 - 1996). Während des Bombenangriffs vom 15.02.1945 wird der rechte Flügel des Gebäudes so schwer beschädigt, dass er abgerissen werden muss. Nach dem Krieg dient das Heim bis 1977 als Wohnraum für Familien, danach wieder als Ledigenwohnheim für das Motorradwerk. Nach 1990 wird das Gebäude verkauft, der neue Eigentümer lässt den linken Flügel abreißen, auf dem Gelände entstehen Eigen- und Mehrfamilienheime.

 

Der Gasthof "Goldener Stern" erhält unter Besitzer Ernst Otto Winkler einen Bühnenanbau

Die Handelsbank Chemnitz eröffnet am 01.10.1926 eine Filiale in Zschopau.

Friedrich Arno Raschke (1844 - 1926) Buchhändler, Verleger, Stadtverordneter und Stadtrat der Stadt Zschopau, verstirbt am 28.03.1926 in Annaberg. Seit 1888 ist Raschke Stadtverordneter, von 1889 bis 1892 Stadtverordnetenvorsteher und von 1893 bis 1904 Stadtrat. Von 1892 bis 1918 ist er außerdem Eigentümer des „Wochenblatts für Zschopau und Umgegend“. 1919 übernimmt der Druckereibesitzer Richard Voigtländer (1862 – 1930) das Blatt und führt die Geschäfte bis zu seinem Tod.

 

Dr. Carl Horst Hahn (1926 - 2023), wird am 01.07.1926 in Chemnitz geboren. Sein Vater Dr. Carl Hahn sen. (1894 – 1961) ist seit 1922 Verkaufsleiter bei DKW. Seine Kindheit verbringt Carl Horst in der Villa Hahn in Zschopau, Südstraße 30 (heute Rasmussenstraße 30), bevor die Familie 1934 nach Chemnitz (Villa Hahn Händelstraße 9) zieht, wo sein Vater in leitender Stellung bei der Auto Union AG tätig ist. Nach dem Krieg studiert er Betriebs- und Volkswirtschaft in Köln, Zürich, Bern, Bristol und Paris. 1954 beginnt seine Tätigkeit für das Volkswagenwerk in Wolfsburg, zunächst als Assistent der Geschäftsführung, später als Mitarbeiter der Exportabteilung. Von 1958 bis 1965 ist er Verkaufsleiter von „Volkswagen of America“. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird er Mitglied des Vorstands bei VW. 1973 übernimmt er den Vorstandsvorsitz beim Reifenhersteller Continental und von 1984 bis 1993 ist er Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, In diese Zeit fallen die Übernahme von SEAT/Spanien (1986) und SKODA/Tschechien (1991) sowie die Kooperation mit China (ab 1984). Bereits seit Mitte der 1980er Jahre engagiert er sich für den Aufbau von VW-Produktionskapazitäten in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) und später auch in Zwickau. Darunter fällt auch die Gründung der Volkswagen Sachsen GmbH 1990, die in den folgenden Jahrzehnten Tausende Arbeitsplätze in der Region schafft. Als Ferdinand Piech 1993 den Vorstandsvorsitz bei VW übernimmt, wechselt Hahn in den Aufsichtsrat, wo er sich bis 1997 weiter in die Entwicklung von VW einbringt. Er ist Ehrenbürger von Wolfsburg (1990), Chemnitz (1994) und Zwickau (1998). Hahn verstirbt im Alter von 96 Jahren am 14.01.1923 in Wolfsburg.

 

Walter "Bimbo" Winkler (1926 - 2010), von 1958 bis 1990 Gruppenleiter Geländesport bei MZ, wird am 18.12.1926 in Hohndorf geboren. Bereits in den fünfziger Jahren kann er als aktiver Geländesportfahrer eine Reihe von Erfolgen für sich verbuchen. Unter Walter Kaden, Leiter der MZ-Rennsportabteilung, und Walter Winkler sowie Mannschaftskapitän Werner Salevsky feiert die MZ-Mannschaft ihre größten Erfolge zwischen 1963 und 1969 mit dem sechsmaligen Trophy-Gewinn (siehe Stadtkurier November 2017).

 

Siegfried Heyde (1926 - 2006), Hauptabteilungsleiter EDV bei MZ, wird am 01.09.1926 in

Pfaffendorf/Schlauroth bei Görlitz geboren. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft in Leipzig arbeitet er zunächst in verschiedenen Betrieben in Görlitz und Dresden, bevor er 1956 als Buchhalter im Motorradwerk Zschopau Anstellung findet. Mitte der sechziger Jahre betreibt er die Gründung einer EDV-Abteilung im Werk. Herzstück der Abteilung ist seit 1967 ein Großrechner gamma-10 der französischen Firma BULL. Das Gerät benötigt eine Standfläche von ca. 20 m² und wird mit Lochkarten gesteuert. Der Hauptspeicher aus Ferritkernen hat eine Kapazität von 4.096 Zeichen (4KB). Zum Vergleich: Heutige Handys haben einen Hauptspeicher, der mit 4 Gigabyte (oder mehr) etwa eine Million Mal größer ist. Der angeschlossene Kettendrucker druckt 300 Zeilen pro Minute, was damals eine recht beachtliche Geschwindigkeit darstellt. Mit der Anlage werden zur Blütezeit von MZ die Lohn- und Gehaltsrechnung für die etwa 3.000 Beschäftigten sowie die Materialrechnung für etwa 90.000 Motorräder pro Jahr erledigt. 1980 übergibt Heyde die Leitung der Abteilung

EDV an Peter Preuß, bevor er 1991 in den wohlverdienten Ruhestand geht. Er verstirbt am 27.04.2006 in Zschopau.

 

Vor 75 Jahren – 1951

In der ehem. Villa der DKW-Prokuristin Martha Große (1867 - 1946) Birkenweg 3 wird eine

katholische Kirche (Pfarrvikarie) eingerichtet. Diese besteht bis 1967. In diesem Jahr wird die

katholische Kirche auf der Alten Chemnitzer Straße eröffnet, in der Villa am Birkenweg entsteht ein Kindergarten.

 

Der Kommunist Rudolf Brassat (1905 - 1983) wird Betriebsdirektor des Motorradwerks, 1952 und 1953 ist er jeweils für mehrere Monate wegen der „ungesetzlichen Verwendung von Betriebsgeldern“ inhaftiert. Dabei geht es um einen Betrag von 23.000 DM, der im sog. Direktorenfond für die Unterhaltung der „Finkenburg“ als Kulturhaus vorgesehen ist. Die Vorwürfe erweisen sich aber als nicht stichhaltig, Brassat wird freigesprochen. 1953 übernimmt Wolfgang Sibbe die Leitung des Betriebes (bis 1958).

Ab dem 01.10.1951 ist auf Weisung des zuständigen Ministers statt der Firmenmarke „DKW“ die Bezeichnung „IFA“ zu verwenden. Das Werk wird am 05.12.1951 in „IFA Motorradwerk DKW VEB Zschopau“ umbenannt.

 

Vor 50 Jahren – 1976

Prof. Dr. Arno Mauersberger (1897 – 1976) verstirbt am 24.10.1976 in Markkleeberg. 1944/1945 ist er als kommissarischer und 1945/1946 als stellvertretender Direktor (unter Dr. Kurt Schumann) und Lateinlehrer an der Oberschule Zschopau tätig (siehe Stadtkurier Februar 2022).

Durch ein Versehen in der Galvanikabteilung des VEB MZ gelangen am 13.09.1976 15.000 Liter Kupferelektrolytflüssigkeit (Kupfercyanid und Chrom) in die Dischau und dann in die Zschopau, was zu einem Massensterben der Fischbestände führt.

Der "Dicke Heinrich" auf Schloß Wildeck erhält am 06.10.1976 eine neue Dachhaube.

Der neue Kraftverkehrshof an der Chemnitzer Straße (ehem. Galgenberg) wird in Betrieb

genommen.

 

Vor 25 Jahren – 2001

Hellmut Kinne (1907 – 2001) verstirbt am 20.07.2001 in Zschopau. Seit 1947 ist er an der

Oberschule Zschopau als Lehrer tätig, ab 1950 als Direktor (Nachfolger von Dr. Kurt Schumann), von 1962 bis 1972 als stellvertretender Direktor unter Dr. Horst Idel (1928 – 2018)

Zschopau wird am 04.04.2001 „Staatlich anerkannter Ausflugsort“, nachdem die Stadt die 1493 verliehene Bezeichnung „Bergstadt“ mangels Relevanz (Bergbau endete 1884) abgeben musste. Am Gymnasium Zschopau lernen 1.049 Schüler (Höchstzahl 1993: 1.162), 112 Schüler bestehen das Abitur (Höchstzahl 1997: 142).