Rad- & Wanderwege

Auf Entdeckungstour durch das mittlere Zschopautal - im Herzen des Erzgebirges

Die Zschopau, ursächsischer Fluss und rund 130 km lang! Eng und windungsreich ist sie an ihrem Ober- und Unterlauf, zahlreiche Felskanzeln mit weiten Ausblicken locken zum Erklimmen. Insgesamt acht Burgen und Schlösser mit mittelalterlichem Flair schmücken die Flussufer. Idyllisch an einer Zschopaubiegung gelegen,  wird unsere gleichnamige Stadt geprägt durch Schloss Wildeck und die Stadtkirche St. Martin. Die beschauliche Altstadt beeindruckt durch ihren dichten Bestand an spätbarocken Bürgerhäusern, das "Wilkehaus" mit seinem eindrucksvollen Fachwerk, die Postdistanzsäule, Reste der alten Stadtmauer oder die Zschopaubrücke mit ihrem Brückendenkmal. Ein Abstecher in die Spinnereistraße führt zum imposanten Herrenhaus des Spinnerei-fabrikanten Bodemer von 1805 und dem barocken „Kutscherhaus“ mit schönem Portal und Sitznischen.

Sowohl Tagesgästen als auch Nutzern des Zschopautal-Radwegs und Zschopautal-Wanderwegs ist auch die schöne Umgebung der Stadt für einen Ausflug zu empfehlen. Über idyllische Wege  entlang des Zschopauflusses gelangt man zum kleinen Besucherbergwerk und zur Teufelskanzel, kann sich am Stülpnerbrunnen erfrischen oder die Aussicht von der "Bodemerkanzel" genießen.

Weitere Informationen, Routentipps, Wanderkarten, Broschüren und Flyer erhalten Sie an der Touristinformation im Schloss Wildeck (Museumskasse).

Mehr zum Thema:

  • Wanderung zur Villa Wilisch – 2 Std. Gehzeit
  • Der Bodemerweg – 1 Std. Gehzeit
  • Die „Via-Mala“ - Tour - 1.30 Std. Gehzeit
  • Der Weg zu den weißen Steinen – 1.45 Std. Gehzeit
  • Gansbachtal mit Pilzhübel
  • Teufelsnase
  • Wurzelweg
  • Uferweg

Mosens Ruh'

Zschimmrhöhe

Teufelsnase

Ein weiterer wichtiger Hauptweg ist der heute als Rad- und Wanderweg nach Scharfenstein bezeichnete, ebenfalls breit ausgebaute Weg, der nur wenige Meter (140 m) nach dem Helmgarten vom anfangs genannten Tischautal-Rad- und -Wanderweg scharf nach rechts oben abbiegt und in mittlerer Hanglage des Zschopautals in Richtung Wilischthal verläuft. Er hat früher, zumindest auf dem Stück bis zur Abbiegung nach Wilischthal (1,4 km) als Zschimmerweg, den Namen des von1895 bis 1905 in Zschopau amtierenden Oberforstmeister Max Zschimmer getragen, nach dem auch der später noch zu behandelnde Aussichtspunkt Zschimmerhöhe genannt ist.

Kurz nach dem steilen Aufstieg kann man auf der rechten Seite, hin zum Zschopaufluss oberhalb der Seminaristenkanzel gewandt, bei Mosens Ruhe verschnaufen (160 m). Dieser Ausblick mit Ruhebank ist dem Zschopauer Pfarrer Aemil Mosen gewidmet, der von 1859 bis 1884 in Zschopau amtierte und als anerkannter Prediger und hervorragender Redner bekannt war. Auf einer kleinen Gedenktafel wird auch auf seine Verdienste bei der Errichtung des Zschopauer Lehrerseminars, heute Gymnasium, hingewiesen. Er war Ehrenbürger der Stadt. Sein noch berühmterer Bruder Julius Mosen ist der Dichter, der auch die heimliche Nationalhymne der Südtiroler, das Andreas-Hofer-Lied "Zu Mantua in Banden" verfasst hat. Die Mutter der Brüder lebte bei ihrem Sohn in Zschopau und verstarb auch hier. Ihr zum ehrenden Gedenken hat der Zschopauer Erzgebirgsverein 1934 auf dem Friedhof ein Kreuz mit Erinnerungsplakette aus Messing errichten lassen, das noch heute links auf dem Weg zur Friedhofskapelle zu finden ist. Das Grab von Aemil Mosen am Hauptweg befindet sich allerdings in einem bedauernswürdigen Zustand und wurde kürzlich durch Heimatfreunde von Wildwuchs befreit.                           

Noch etwa 40 Meter vor Mosens Ruhe geht nach links, steil den Bergrücken hinauf, der vordere Ziegenrückweg ab. Er war über Jahre verwildert, da er wegen des jahrzehntelang von verschiedenen militärischen und paramilitärischen Einheiten genutzten Schießstands am Nesselfleck nicht durchgehend begehbar war. Wenn man die Höhe erklommen hat, geht nach kurzer gerader Wegstrecke (490 m) am Forstschild 14 rechts hinunter nach Wilischthal der Kaiserblickweg ab. Er soll seinen Namen wegen des bei damaligem Bewuchs einmaligen Ausblicks ins Zschopautal und über die Höhen bis zu den Greifensteinen bekommen haben. Der obere Teil (580 m) ist etwas wild, nach der Überquerung des Zschimmerweges führt er als Radweg gut ausgebaut hinunter zum Waldparkplatz in Wilischthal (710 m). Gehen wir den vorderen Ziegenrückweg durch den Hochwald weiter, was heute wieder gut möglich und erlebenswert ist, kommen wir noch vor dem Wegekreuz, besser Wegeplatz Nesselfleck zum bogigen Abzweig des Salzleckenwegs (1,2 km). Dieser geht steil bergab, kreuzt den Zschimmerweg (220 m) weiter südwärts und verläuft dann waldabwärts ebenfalls bis zum Waldparkplatz (620 m). Um den Eingang zum unteren, mit hohem Waldgras überwachsenen Teil zu finden, muss man sich evtl. auf den oberen Teil des Weges vor der Wegekreuzung stellen und die Richtung geradeaus festlegen. Dem Namen nach sollen sich hier an den Felsen Salzausblühungen befunden haben, an denen die Wildtiere ihren Salzbedarf stillten.

Vom breiten Platz am Nesselfleck (1,4 km) gehen verschiedene Wege ab. Wir nehmen den mittleren, steil ansteigenden Weg, den hinteren Ziegenrückweg, der uns auf anstrengende Weise geradeaus nach oben zur Großen Wegekreuzung (610 m) bringt, die im Vorfeld bereits genannt wurde. Hierher führt von links der Scharfensteiner Weg bzw. Cornelius-von-Rüxleben-Weg hin, von rechts kommt der hintere Teil des Zschimmerwegs hinzu. Geradeaus geht es über eine Schutzhütte (300 m) zur Pestwiese (500 m), weiter bis zur rechts des Wegs liegenden Scharfensteiner Kanzel (1 km), wenn man will entweder steilab zum Gänsewinkel in Scharfenstein oder auch nach links auf die Großolbersdorfer Flur.

Wir waren noch vor Mosens Ruhe vom Zschimmerweg abgegangen und gehen diesen von dort aus weiter. Von hier führt der gut ausgebaute Weg in mittlerer Hanglage oberhalb der S228 in Richtung Wilischthal/Scharfenstein. Von Mosens Ruhe aus geht auch weiter talwärts ein schmaler Wanderweg, der Stülpnersteig, in die gleiche Richtung. Er ist mit Tafeln zum Wildschützen und Volkshelden Karl Stülpner ausgestattet, gut beschildert, führt über den Cotta-Stein (Cotta-Bank) und die Zschimmerhöhe bis zum unteren Teil des Kaiserblickwegs, noch vor dem Waldparkplatz (1,4 km). Verbleiben wir auf dem Zschimmerweg, so kommen wir nach wenigen Kilometern (1,1 km) an den Abgang zur Zschimmerhöhe (25 m). Von dort aus besteht ein schöner Ausblick auf Wilischthal. Er wurde wegen der Straßenbrücke über die Bahn und die Zschopau, die Brücke im Ort und die noch vorhandene Kleinbahnbrücke vor den Felsen des Affensteins als "Drei-Brücken-Blick" berühmt. Im Hintergrund des Talausschnitts flussaufwärts lässt sich auch noch die Burg Scharfenstein erkennen.

Eine kurze Wegstrecke (70 m) zurück von der Zschimmerhöhe befindet sich der Cotta-Stein (Cotta-Bank) in Gedenken an den sächsischen Forstreformator und Gründer der Forstakademie Tharandt Heinrich Cotta (1763-1844). Früher hoch geehrt, ist er heute wegen großflächig angelegter Fichtenmonokulturen eher umstritten.                                                     

Gehen wir wieder auf den Zschimmerweg zurück und weiter in Richtung Scharfenstein, so kreuzen wir den schon genannten Kaiserblickweg (1,4 km), der talabwärts als Rad- und Wanderweg gut ausgebaut bis Wilischthal am Waldparkplatz führt (710 m). Nur wenige Minuten später kreuzen wir den schon bekannten Salzleckenweg (1,8 km). Er bietet nach unten die naturbelassene Variante des Abgangs nach Wilischthal (620 m) oder nach oben den Aufstieg zum Nesselfleck (380 m).

Wir wandern aber geradeaus weiter und kommen nach einem kurzen Bergab- und Bergaufstück zu einem ausführlich beschilderten Wegweiser (2,7 km) mit Hinweis auf den Übergang zum Scharfensteiner Teil des Stülpnersteigs. Kurz zuvor (40 m) geht auf der linken Seite ein breiter Forstweg zurück zum Nesselfleck (860 m) ab. Weiter auf dem Zschimmerweg kommen wir (2,8 km) an der rechtsseitig gelegenen markanten Scharfensteiner Teufelsnase mit Ausblick auf Grießbach vorbei (es gibt auch eine Zschopauer Teufelsnase flussabwärts im Waldgebiet zwischen der Aue und dem Hölzel Richtung Waldkirchen).                                              

Der Zschimmerweg steigt nun leicht, später steil an, hat beidseitig mehrere Abzweigungen, rechts einen Abgang nach Scharfenstein (2,9 km) und endet in weitem Bogen nach anstrengendem Aufstieg wieder am bereits mehrfach erwähnten Großen Wegekreuz (3,4 km).

Mit dem nun vorhandenen Wissen können die verschiedenen schwereren oder leichteren, längeren oder kürzeren Varianten für den Rückweg nach Zschopau gewählt werden, um letztlich vom Helmgarten aus den Heimweg oder die Heimfahrt antreten zu können (siehe auch Wegekarte).

P.S.: Wegen aktuellen Forstarbeiten mit maschineller Rodung sind derzeit sowohl die Waldstücke als auch die Waldwege stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Dr. med. Johannes Werner, Februar 2020

 

Quellen:

Ernst Friedrich Wilhelm Simon: Bergstadt Zschopau, Dresden 1821

Rudolph Herfurth: Geschichtliche Nachrichten von Zschopau, 1885,

Verlag F. A. Raschke, Zschopau

Bruno Nestler: Landschaftliches aus dem Zschopau-Thale, Dresden, in Komission bei Wilhelm Nestler, Druck von T. Moritz Hofmann  1901

Martin, Zierold, Vetter, Wüstner (Preßausschuß): Zschopau in Wort und Bild. Eine Gabe zum Heimatfest 30.Juni, 1. und 2. Juli 1906, Verlag F. A. Raschke, Zschopau

M. Schwarze, Fr. Eger Erzgebirgsverein Zschopau: Zschopauer Wanderbuch, um  1914, Lichtdruck Paul Knäbchen, Zöblitz, Buchdruck F. A. Raschke, Zschopau

Otto Eduard Schmidt: Kursächsische Streifzüge, fünfter Band-Aus dem Erzgebirge-Dresden, Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung 1922

Reinhold Timme: Zschopau und seine Umgebung-Ein Wanderbuch für alle Freunde der sächsischen Heimat, 1930, Druck und Verlag des Wochenblattes für Zschopau und Umgegend-Zschopauer Tageblatt und Anzeiger-Richard Voigtländer

Hans Schwerdt: Aus Zschopaus Vergangenheit und Gegenwart, 1938, Verlag: Bürgermeister der Stadt Zschopau/Druck: Tageblattdruckerei Zschopau

Arbeitsgruppe Heimatforschung, Geografisches Institut der Akademie der Wissenschaften der DDR: Das mittlere Zschopaugebiet, 1977, Akademieverlag Berlin